Mittwoch, 28. Februar 2018

Kapitel 5




Wenn Sie mit dem Polizeileutnant von Bern, Ulrich Schmied, gesprochen hätten, hätten Sie nichts Seltsames bemerkt. Sein Akzent klang wie ein authentisches Bernerdeutsch, und er war ein typischer Polizist: streng und ehrlich. Aber Ulrich Schmied war eigentlich kein Schweizer. Sein echtes Heimatland liegt Tausende von Kilometer weit weg: in Russland.


Ulrich Schmied wurde in einer Wolgadeutschen Familie geboren. Seit Generationen wohnte die Schmied Familie in der Stadt Pokrovsk, die Engels auf Deutsch heißt. Die Familie sprache Deutsch zu Hause, aber sie war stolz auf ihre russische Staatsbürgerschaft. Sie lebten in Frieden mit ihren russischen Nachbarn.

Der zweite Weltkrieg veränderte diese friedliche Beziehung. Viele Russen begannen, die Wolgadeutschen als Feinde zu sehen. Ulrichs Klassenkameraden, Lehrer, und Nachbarn sahen ihn als Ausländer, und sie vertrauten ihn nicht. Ulrich hat auch gehört, dass die Regierung viele Wolgadeutschen in Arbeitslager eingesperrt hat. Die Familie hatte große Angst vor ihrer Zukunft.


Eines Tages kam ein Brief von dem NKVD für Ulrich. Der Brief sagte, Ulrich muss zum Rathaus gehen. Er ging zum Rathaus und wurde in den Keller geführt. Ein Offizier wartete auf ihn. Ulrich war nervös.


“Warum bin ich hier?” fragte er.


“Sie werden in ein Arbeitslager geschickt. Aber Sie können wählen, für uns zu arbeiten. Wir brauchen Spione, die fließend Deutsch sprechen.” antwortete der Offizier.
"Was wird passieren, wenn ich ‘nein’ sage?”
“Sie und Ihre Familie werden nach Sibirien geschickt.”
Ulrich war entsetzt. “Ich sehe, dass ich keine Wahl habe. Ich werde das tun. Aber versprechen Sie mir, meine Familie wird sicher sein.”
“Das kann ich versprechen.”


Er konnte seiner Familie nichts sagen. Er sagte nur, dass er zur Armee gehen muss. Seine Eltern weinten. Ulrich war verzweifelt, aber er konnte nichts tun. Also wurde er nach der Schweiz geschickt, wo er ein neues Leben begann. Sein Chef sagte, er muss der Polizeileutnant von Bern werden. Ulrich verstand nichts, und folgte nur diesen geheimnisvollen Befehlen.

Seine Arbeit als Spion war nicht spannend. Er bekam Briefe, die wann und wo er hingehen muss sagten. Er traf andere Agenten und tauschte Dokumente mit der Polizei aus. Er wusste nicht, warum diese Dokumente wichtig waren. Manchmal vermisste er seine Heimat. Er versteckte seinen russischen Ausweis in seiner Tasche. Das war gefährlich, aber der Ausweis erinnerte ihn an seine Familie.

Vor einer Woche bekam er einen neuen Brief. Der Brief sagte, er muss zu einem Häuschen in der Nähe von Twann gehen. Der Brief sagte nichts anderes. Das war seltsam. Normalerweise traf er die Agenten in Kaffeehäusern oder in netten Hotels. Als er auf der Autobahn nach Twann fuhr, sah er ein schwarzes Auto hinter sich. Er fuhr schneller und das Auto folgte. Plötzlich fühlte er Schmerzen in seinem Kopf. Dann -- war alles dunkel.











1 Kommentar:

  1. Ich mag wie Sie uns mehr Informationen ueber das Leben von Schmied gegeben haben. Danke

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